Lohnausfall bei Krankheit ist „unverschämt“: Arbeitgeber schlagen bessere Lösung vor

Lohnausfall bei Krankheit ist „unverschämt“: Arbeitgeber schlagen bessere Lösung vor

Der Allianz-Chef Oliver Bäte schlug vor, den Lohn am ersten Krankheitstag zu kürzen. Gewerkschaften und Ärzte kritisieren diesen Vorstoß scharf und warnen vor negativen Folgen.

26. Dezember 2025 · nachricht


Zum Jahresende geben wir Ihnen einen Überblick über die meistdiskutierten Themen in Deutschland, die jeden Arbeitnehmer betreffen. Eines davon war die hitzige Debatte darüber, ob eine hohe Krankenquote am Arbeitsplatz durch Lohnkürzungen am ersten Krankheitstag gesenkt werden könnte.


Der Allianz-Chef Oliver Bäte schlug die Einführung eines sogenannten Karenztags vor – einen Tag, an dem Arbeitnehmer im Krankheitsfall keinen Lohn erhalten. Dieser Vorschlag löste im ganzen Land starke Kritik aus. Der Vorsitzende der Ärztekammer Ravensburg bezeichnete diesen Schritt als „unverschämt“, während die Meinungen der Arbeitgeber unterschiedlich ausfallen.


Höhere Krankenquote in den letzten Jahren

Ein Sprecher des Unternehmens ZF, des größten Arbeitgebers in Friedrichshafen, bestätigte, dass die Zahl der Krankheitstage in den letzten Jahren gestiegen ist. Die genauen Gründe nannte das Unternehmen jedoch nicht, da medizinische Ursachen der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen.

Die höhere Krankenquote stellt laut dem Sprecher eine Herausforderung für die Arbeitsorganisation dar, etwa bei der Planung von Schichten, die oft kurzfristig angepasst werden müssen, um den reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Auf die Frage, ob ZF den Vorschlag eines Karenztags unterstützt, gab das Unternehmen keine direkte Antwort. Laut dem Sprecher seien vor allem gesunde Arbeitsbedingungen und ein verantwortungsvoller Umgang der Mitarbeiter mit ihrer eigenen Gesundheit entscheidend, um die Krankenquote zu senken.


Karenztag könnte falsche Anreize schaffen

Das Pharmaunternehmen Vetter mit Sitz in Ravensburg hält den Vorschlag eines Karenztags für ungeeignet. Laut Sprecher Markus Kirchner könnte ein solcher Tag kontraproduktive Anreize setzen, etwa dass Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit kommen.

Bei der Herstellung von Medikamenten, die hohe Hygienestandards erfordert, sei es laut Kirchner essenziell, dass die Mitarbeiter gesund und fit sind. Im Unternehmen gilt die einfache Regel: „Wer sich krank fühlt, geht zum Arzt – nicht zur Arbeit.“


Karenztag ist ein Schritt zurück

Maria Winkler, Leiterin von Verdi Ulm-Oberschwaben, bezeichnete Bätes Vorschlag als „Schritt zurück ins letzte Jahrhundert“. Ihrer Meinung nach lasse sich die höhere Krankenquote besser durch Motivation und eine positive Unternehmenskultur lösen als durch Sanktionen.

Ein Karenztag könnte laut Winkler dazu führen, dass Mitarbeiter, die sich einen Lohnausfall nicht leisten können, krank zur Arbeit kommen und Viren oder Bakterien unter Kollegen verbreiten.


Vorwürfe des „übermäßigen Simulierens“ sind unverschämt

Wolfgang von Hänisch, Vorsitzender der Ärztekammer Ravensburg, hält die Vorwürfe, dass Deutsche „zu oft Krankheit vortäuschen“, für unverschämt. Seiner Ansicht nach habe die Pandemie die Menschen gelehrt, niemanden anzustecken, weshalb heute viele zu Hause bleiben, wenn sie krank sind.

Von Hänisch weist zudem darauf hin, dass die Einführung einer Lohnkürzung am ersten Krankheitstag einen enormen bürokratischen Aufwand verursachen würde, der dokumentiert und verwaltet werden müsste. Die meisten Menschen gingen jedoch verantwortungsvoll mit Krankschreibungen um, und seiner Einschätzung nach werde sich diese Diskussion wahrscheinlich nicht durchsetzen.

Quelle: schwaebische.de

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